... hieß es früher wenn der Personenzug Oberröblingen – Allstedt unterwegs war.

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Geschichte der Eisenbahnstrecke Oberröblingen (Helme) - Niederröblingen - Allstedt

Am 27. März 1889 ist der Bau der Bahn Oberröblingen-Allstedt in einer Sitzung des Preußischen Abgeordnetenhauses genehmigt worden. 39 Jahre zuvor plante man eine Strecke von Halle über Ober-Teutschental, Querfurt, Allstedt, Artern, Roßla und Kelbra nach Nordhausen. Die Städte Eisleben und Sangerhausen erwiesen sich jedoch als stärker und erreichten, daß die Strecke Halle Nordhausen über Eisleben, Sangerhausen gebaut und 1866 eröffnet wurde. Beim Bau der Unstrutbahn Naumburg - Artern 1872 bemühte sich die weimarische Enklave Allstedt erneut, für die aufstrebende Industrie und Handelstätigkeit einen Bahnanschluß zu erhalten. Der stetig zunehmende Güterumsatz, der allein auf den beschwerlichen Verkehr mit Pferdefuhrwerken nach Oberröblingen angewiesen war, drängte nach direkter Bahnverbindung mit Privatanschlüßen der größeren Betriebe. Außerdem war Allstedt auch noch Sommerresidenz der Großherzöge von Sachsen-Weimar, der letzte war Wilhelm Ernst, welcher 1918 abdankte.

1881 wurde in Oberröblingen eine Pferdeeisenbahn vom Bahnhof zur Zuckerfabrik eröffnet, welche jedoch ausschließlich der Zuckerfabrik diente. Es hieß, daß durch die Pferdebahn in der Kampagne 1880/81 449052 Zentner Zuckerrüben verarbeitet werden konnten.

Im Gesetzesentwurf vom Februar 1889 hieß es:
„Diese Bahn ist zur Erschließung des zwischen der unteren Unstrut und den Linien Halle-Cassel, Sangerhausen-Erfurt und Oberröblingen(See)-Querfurt gelegenen, in landwirtschaftlicher und gewerblicher Beziehung bereits gut entwickelten Landstrichs bestimmt. Von der etwa 7,8 km langen Bahn entfallen gegen 2,2 km auf den preußischen Kreis Sangerhausen und ungefähr 5,6 km auf die weimarische Enklave Allstedt. Das zu erschließende Verkehrsgebiet umfaßt diese ganze Enklave und einige angrenzende Gemarkungen des Kreises Sangerhausen im Gesamtumfang von etwa 120 qkm und rund 10000 Einwohnern. Der Boden des durchschnittlichen Landstrichs ist zumeist von großer Fruchtbarkeit, insbesondere auch an Zuckerrüben, welche in zwei bedeutenden Zuckerfabriken Verwendung finden. Der Mangel einer geeigneten Bahnverbindung ist in den Kreisen der Beteiligten schon seit Jahren empfunden worden und haben die Interessenten, insbesondere die Vertretung der Stadt Allstedt in der richtigen Erkenntnis, daß ohne Bahnverbindung ein Rückgang in wirtschaftlicher Beziehung gegenüber den benachbarten an die Bahn angeschloßenen Orten, unausbleiblich sein werde und die Herstellung einer Eisenbahnverbindung unter lebhafter Unterstützung der großherzoglich-sächsischen Regierung wiederholt erbeten. Da durch die Bahn diesseitige Interessen Förderung erfahren, so ist der staatseigene Ausbau derselben in Aussicht genommen und das Projekt so bearbeitet, daß eine etwaige demnächste Fortsetzung der Linie ohne besondere Schwierigkeiten möglich bleibt.”

Am 8. April 1889 wurde schließlich der Bau durch preußisches Gesetz konzessioniert. Die Baukosten wurden auf 640.000 Mark veranschlagt. Dazu kamen noch 120.000 Mark Grunderwerbskosten. In einem Staatsvertrag hatte sich am 21. Dezember 1888 Weimar bereiterklärt, die Grunderwerbskosten auch für Preußen und einen Barzuschuß von 50.000 Mark zu zahlen. Einziger privater Investor war die Zuckerfabrik Allstedt mit 50.000 Mark. Schon im Juli 1888 beauftragte man die Eisenbahndirektion Erfurt mit der Ausführung allgemeiner Vorarbeiten für „eine Eisenbahn untergeordneter Bedeutung von Oberröblingen an der Helme nach Allstedt”. Es war vorgesehen, den Bahnbau im Februar 1891 zu beginnen. Wegen Grunderwerbsschwierigkeiten verzögerte sich der Baubeginn jedoch bis zum Sommer 1891. Am 12. April 1891 fand eine Zusammenkunft mit den Ackerbesitzern des für den Bahnbau benötigten Grund und Bodens und der königlich-preußischen Eisenbahnbaukommission von Erfurt und den Vertretern der großherzoglichen Regierung, den Geheimen Regierungsräten Sleevogt und Stier sowie dem Baurat Stahr von Weimar unter Hinzuziehung des Gemeindevorstandes von Allstedt statt. Von dieser Beratung wird folgendes berichtet:

„Zunächst wurde über die Cassierung einzelner Culturwege, Erbauung von Wegübergängen und Wasserdurchlässen verhandelt. Die verschiedenen Wünsche wurden somit thunlichst berücksichtigt, jedoch behielten sich die königlich-preußischen Commissioniäre die schließliche Genehmigung vor. Was die Bahnhofslage anbelangt, so erforderte dieselbe zunächst die Verlegung der Nienstedter Chaussee von der Feodor Lautenbachschen Hausecke im Bogen bis an die nordöstliche Friedhofsmauer, um auf dem Jäckel-Planungsgrundstück wieder in die alte Straße einmünden zu können. Die Bahnhofsanlage in ihrer Länge erstreckt sich von der Gottesackermauer bis ungefähr zum Beyerschen Garten, und wird in ihrer Breite beinahe die ganze Hochsche Hebe in Anspruch nehmen. Vor dem Schloßtore ist ein einziger Übergang nach dem Vorwerk, resp. nach dem Schloße geplant, und es kommt die ungefähr dort einen Meter hohe Bahnlinie so nahe an die quervorliegenden kleinen Häuser, daß der bis jetzt entlang dieser Häuser zwischen den beiden sich daselbst befindlichen Heben nach der Nienstedter Chaussee führende Weg in Wegfall kommen dürfte, und so würde der ganze Wagenverkehr durch die Breite Straße nach dem Bahnhofe zu erfolgen haben. Ein von den hiesigen Vertretern ausgesprochener Wunsch, die Bahnhofsanlage weiter nach Norden zu verschieben, fand keine Berücksichtigung. Wie wir von competenter Seite hören, ist auch noch festgestellt worden, die schon erwähnten kleinen Häuser vor dem Schloßtore zum Zwecke der Verschiebung des Bahnstranges ungefähr sechs Meter nach Norden auf Abbruch anzukaufen, was nur zu wünschen wäre. Doch es wird auch diese Angelegenheit wohl erst zur Entscheidung kommen, wenn der Bau wirklich in Angriff genommen wird. Nach allem, was darüber verlautet, wird die Bahn im Laufe dieses Sommers fertiggestellt werden.” (Sangerhäuser Kreiszeitung vom 13.04.1891)

Daß der Grundstückserwerb auf gewaltige Schwierigkeiten stoßen würde, war vorausgesehen worden. Wiederholt wurde auch von „heißen Plänen” gesprochen. 1891 richtete die KED (Königliche Eisenbahn-Direktion) Erfurt in Allstedt ein Baubüro ein und erarbeitete die Baupläne. Obwohl am 29.September 1891 die erste Fuhre Kies für den Bau herangefahren worden war, begannen die eigentlichen Bauarbeiten erst 2 Jahre später.
Diesen Zeitverzug kommentierte ein Lokaldichter mit folgendem sinnigen Vers:

So ein Bau macht viel Beschwerden,
frag´ nur nach im Bahnbüro.
ähnlich steht's auch mit dem Teiche,
und ich glaub´ es ist kein Wahn:
Eh´ im Teich wir Wasser sehen,
eh´ wir hin zum Bahnhof gehen,
bricht ein neu´ Jahrhundert an.

Noch im März 1893 traf in Allstedt unter Leitung des Expropriations-Kommissars Unteutsch (Enteigner) eine Enteignungskommission ein, um die für den Bahnbau der Strecke Oberröblingen-Allstedt erforderlichen Äcker zu enteignen. Ein Taxator legte die Preise fest, so daß schließlich nur noch 9 Pfennige und zum Teil noch darunter gezahlt wurden. Die Regierung hatte ursprünglich 1 Mark je Quadratmeter geboten. Berufungen führten dann dazu, daß von der Eisenbahn schließlich 1,20 Mark gezahlt wurden.
Zu dieser Zeit rührte sich die Stadt Eisleben erneut, man strebte eine Verbindung mit der Hauptstadt Berlin an. Eine von Güsten aus zu erbauende Bahn sollte durch das Rieth zwischen Nikolausrieth und Voigtstedt nach Artern gehen und somit über Eisleben - Gerbstedt - Alsleben an die Berlin-Wetzlarer Eisenbahn anbinden. Allstedt lehnte diesen Plan jedoch ab, da es mit seinem eigenen Bahnbau genügend Schwierigkeiten hatte. Allstedt baute seine eigene Bahn.
Die Strecke verlief auf eigenem Bahnkörper, größtenteils dicht neben der Straße auf ebenem Gelände. Es gab 23 Überwege und 3 Brücken.
Als erste Brücke wurde die über den Rohnebach (ca. Steckenkilometer 8,3 ) im Anschlußgleis der Zuckerfabrik Allstedt errichtet, die Sandwerksteine wurden aus Lodersleben bezogen. Im Oktober 1893 waren auch die eisernen Brücken über den Mühlbach ( Steckenkilometer 7,915 ) ( Anschluß Zuckerfabrik in Allstedt ) und über den Einzinger Bach ( kurz hinter Oberröblingen ca. Steckenkilometer 2,0 ) fertig.
brueck_einz.jpg die Brücke über den Einzinger Bach

Foto: Frank Laffin (7/2004)
brueck_rohne.jpg die Brücke über den Rohnebach

Foto: Frank Laffin (7/2004)

Der „Waggonladedienst” konnte schließlich am 20. September 1894 eröffnet werden. Beamte waren in das Stationsgebäude eingezogen und endlich, am 1. Oktober 1894, 50 Jahre nach den ersten Stimmen für einen Eisenbahnbau, wurde auch der Personenverkehr auf dieser 7,4 km langen Nebenbahn freigegeben.
Zu den Fahrgästen des ersten offiziellen Zuges gehörte u.a. auch der Gesangsverein „Männerchor” welcher folgendes Lied fröhlich sang:

Allstedt hat 'ne Eisenbahn, ja, ja, ja
die hält in Niederröblingen an, ja, ja, ja
und wenn man wieder heimwärts fährt, ja, ja, ja
da sagt man froh, es war sehr schön,
da hat man doch die Welt gesehn, ja, ja, ja.

Eine weitere Dichtung ist ebenfalls der neueröffneten Bahn gewidmet:
Dem ersten Bahnzug
Des Posthorns letzter Ton, er ist verklungen,
vorbei für Allstedt ist die alte Zeit.
Das Abschiedslied, es ist ihr schon gesungen,
der Dank gezollt schon der Vergangenheit.
  →   Nun vorwärts soll der Blick sich heute lenken
in nachtverhüllte Zukunft kühn hinein,
nicht ängstlich zagend wollen wir bedenken,
das etwas Arges hüllt ihr Schleier ein.
Horch! einen neuen Ton mit Kraft erklingen.
so schrill und hell, dem alten nicht verwandt,
vom Bahnhof hörst du ihn herüberdringen,
das Dampfroß hat ihn uns zum Gruß gesandt.
  →   Sei wieder uns gegrüßt! Sei uns willkommen,
du erstes Zeichen einer neuen Zeit!
gereiche unsrer Stadt zum Heil und Frommen,
bring' Segen mit und neue Tätigkeit.
Laß frisches Leben sich allhier entfalten,
mit Windesflügeln förd're den Verkehr,
muß Liebgewordnes gleich sich umgestalten,
wir klagen nicht, - das Neue gilt uns mehr.
  →   Wer nimmer mit der Zeit will vorwärts schreiten,
den überholt sie bald in hastgem Lauf.
Das Dampfroß wird uns wahr'n vorm überschreiten,
drum tun wir freudig ihm die Tore auf!
St.


Der erste Fahrplan enthielt statt der bisherigen dreimaligen Postkutschenverbindung vier Personenzugpaare und 2 Güterzüge täglich.

ab Oberröblingen 8.15 12.30 16.20 20.50
ab Niederröblingen 8.25 12.44 16.30 21.00
an Allstedt 8.34 12.53 16.39 21.09
ab Allstedt 7.00 10.40 15.00 19.30
ab Niederröblingen 7.10 10.54 15.10 19.40
an Oberröblingen 7.19 11.03 15.19 19.49

bf_allst_1927.jpg   Bahnhof Allstedt 1927 bf_niederr_1927.jpg   Bahnhof Niederröblingen 1927

Der erste Gleisanschschluß ist der der Zuckerfabrik am östlichen Ortsausgang Oberröblingen/Helme. Später wurde das hinter der Zuckerfabrik liegende „ACZ” ( Agro-Chemisches-Zentrum ) durch Verlängerung eines Zuckerfabriksgleises angeschloßen. Der ACZ-Anschluß wurde letztmalig noch während der Abrissarbeiten der Zuckerfabrik im Winter 1991/92 bedient (!), wenige Tage danach wurde das Gleis entfernt.

Bei Niederröblingen zweigte für kurze Zeit noch eine ca. 8 km lange Anschlußbahn zum Kalischacht „Gewerkschaft Thüringen” bei Heygendorf ab, dort wurde von 1908 bis 1921 Carnallit gefördert. ( mehr dazu bei www.technikmuseum-online.de )

heygendorf_1.jpg

Auf dem Bahnhof Allstedt wurden Anschlußgleise zur und in der Zuckerfabrik gebaut, die sich später auch das Walzwerk, die BHG Allstedt und Heygendorf und die BHG Baureparatur (Baustoffe) zunutze machten. Das Ladegleis wurde von Buschner & Dettler für Getreide- und Kohleumschlag genutzt. Auch die Spirituosenfabrik verlud dort ihre Produkte.

Fahrplanausschnitt Sommer 1930

Das Gleis der Holzrampe erfuhr nach 1945 besondere Bedeutung, nachdem der Flugplatz gebaut worden war. Baumstämme wurden abgefahren, Baustoffe für den Flugplatz entladen. Die Zuckerfabrik Allstedt arbeitete bis 1940. Danach wurden dort nur noch Zuckerrüben für die Zuckerfabrik Oberröblingen verladen. In der Kampagne (ca. 90 Tage, Okt. bis Dez.) täglich 12 bis 15 Güterwagen. Das letzte Kursbuch der Deutschen Reichsbahn vor Ende des II. Weltkrieges, „1944 bis auf weiteres” zeigt folgenden Fahrplan:

ab Oberröblingen W 6.00 8.30 16.21 19.50 22.31
an Allstedt W 6.23 8.44 16.36 20.04 22.45
ab Allstedt W 5.08 7.14 14.58 17.32 21.30
an Oberröblingen   5.22 7.28 15.12 17.46 21.44


Viele dieser Züge wurden noch bis in die Jahre vor 1960 von den Zugführern Karl Lange aus Allstedt und Hans Thoss aus Niederröblingen begleitet, bevor das Zugpersonal dem Bahnhof Sangerhausen unterstellt und die Verwaltung dem Bahnhof Oberröblingen zugeordnet wurde. Alle Anlagen der Strecke bestanden bis zum Jahre 1962 unverändert und wurden voll genutzt. Zur Bewältigung des Güterverkehrs fuhren täglich bis zu 5 Güterzüge nach Allstedt und später zusätzlich 4 Zugpaare nach Niederröblingen.

Durch die Inbetriebnahme der Schachtanlage „W.Koenen” Niederröblingen im Jahre 1958 wurde der Bahnhof Niederröblingen durch eine umfangreiche Werksgleisanlage erweitert. Täglich wurden über 20 Waggons mit je 60 t Kupfererz von hier zur Verhüttung nach Helbra bei Eisleben abgefahren.
44-0623.jpg   Erzzug mit 44-0623 kurz nach Niederröblingen

  Foto: Günter Scheibe
52_8096_niederr.jpg   52-8096 im Bf. Niederröblingen

  Foto: Peter Gericke

Laut Fahrplan der Deutschen Reichsbahn vom 23. Mai bis 25. September 1971 (Sommerfahrplan) waren nur noch zwei Fahrten von Sangerhausen nach Allstedt durchgängig möglich. Von Allstedt nach Sangerhausen fuhr nur noch ein Zug durchgängig. Bei zwei weiteren Zügen machte sich das Umsteigen in Oberröblingen erforderlich. Eine Fahrt von Sangerhausen nach Allstedt dauerte 30-40 Minuten und kostete im Jahre 1970 für die 13 km 1,20 Mark.

Winterfahrplan 1969/70


fahrkarte.jpg Edmonsonsche Fahrkarte vom 29.10.1960
Allstedt-Oberröblingen
Fahrpreis: 0,70 M

Mit Ablauf des Sommerfahrplanes am 29. September 1973 wurde der Reisezugverkehr mit Wirkung vom 30. September 1973 auf dem Streckenabschnitt Oberröblingen - Allstedt eingestellt und vom VEB Kraftverkehr übernommen. Dieser „Verkehrsträgerwechsel” brachte einen Zeitgewinn von 10-20 Minuten. Zwischen Niederröblingen und Allstedt wurde am 30.September 1973 vereinfachter Nebenbahndienst eingeführt. Die Haltestelle Niederröblingen wurde mit Nutzung der Gleise der Schachtanschlußbahn zum Bahnhof aufgewertet und zur Zugleitstelle erklärt. Der Streckenabschnitt Oberröblingen/Helme - Niederröblingen behielt zunächst seinen Nebenbahnstatus.
Mit Wirkung vom 2.August 1982 wurde die Gesamtstrecke Oberröblingen - Allstedt in einen Streckenrangierbezirk umgewandelt und die Besetzung des Bahnhofs Niederröblingen aufgegeben. Infolge der Personenverkehrseinstellung wurde der selbständige Bahnhof Allstedt am 1.Januar 1975 aufgelöst und wie auch Niederröblingen dem Bahnhof Oberröblingen/Helme unterstellt.

Durch Einstellung der Kupferschieferförderung in Niederröblingen im Sommer 1990 kam der Güterverkehr von und zur Schachtanlage zum erliegen.
Im Jahre 1991 wurde die Strecke letztmalig teilsaniert.

Zum 100-jährigen Jubiläum am 1. Oktober 1994 hat die die Bahnlinie außer einigen kleineren Zeitungsartikeln keine weitere Würdigung erfahren.
Mit Verfügung vom 19.September 1995 wurde der Streckenrangierbezirk in ein Bahnhofsnebengleis des Bahnhofs Oberröblingen umgewandelt.
Infolge der Straßenbaumaßnahme an der B86 im Sommer 1995 wurde am Bahnübergang in Oberröblingen das Gleis entfernt und damit die Strecke für immer unterbrochen.
Mit Verfügung vom 6.Oktober 1995 wurde dieser Tatsache Rechnung getragen und die Stillegung offiziell angewiesen.
Im August 1997 wurde im Bahnhof Allstedt begonnen die Gleise abzubauen, bis zum Jahresende 1997 wurde das Streckengleis bis zum Bahnsteig am Bf. Oberröblingen rückgebaut. Heute findet man anstelle des Gleises einen Fahrradweg welcher 1998-99 auf dem Bahnkörper mithilfe von ABM-Maßnahmen durch die Gemeinden und außerorts durch das zuständige Straßenbauamt errichtet wurde. (siehe auch die Beiträge der Mitteldeutschen Zeitung weiter unten ) Kurz nach dem Bf.Oberröblingen wurden Einfamilienhäuser auf dem freigewordenen Gelände errichtet. Das Schrankenwärterhaus in Oberröblingen (ehemals Bü B86) wird seit 1996 als Wohnhaus genutzt. Der Lokschuppen in Allstedt dient einer Baufirma, das Empfangsgebäude ist verkauft und wird privat genutzt (wie auch das in Oberröblingen). Die Fläche und das Gebäude des Bahnhöfs Niederröblingen liegen brach, sind noch in Bahnbesitz und finden bisher keine Verwendung mehr (2004).

Im Frühjahr 2011 wurde auf dem verkauften Niederröblinger Bahnhofsvorplatz (bis zur Bahnsteigkante) ein Wohnhaus errichtet, die stattlichen alten Kastanien wurden allesamt Opfer der neuen Besitzer bzw. deren Kettensäge. Ein trauriger Anblick, an den verbliebenen Baumstümpfen war nicht ein einziger Hinweis auf eine Krankheit oder ähnliches erkennbar. Das Empfangsgebäude ist inzwischen zur Straße hin aufgebrochen worden und dient nun als "Carport".
kastanie1.jpg kastanie2.jpg kastanie3.jpg kastanie4.jpg

Autoren:
Günter Fromm (†), Erfurt
Hermann Kistner, Sangerhausen
Hermann Traussnig, Sangerhausen
M. Schröter
letzte Bearbeitung und Ergänzung: Frank Laffin, Oberröblingen

Quellen:
Deutsches Zentralarchiv Merseburg
Archiv der Reichsbahndirektion Erfurt
Archiv der Reichsbahndirektion Halle
Archiv der Reichsbahndirektion Magdeburg
Archiv beim Landratsamt Sangerhausen
Verkehrsmuseum Dresden
Unstrut- und Wipperbote
Die Hauptbahn Erfurt-Sangerhausen/ Paul Lauerwald
Sangerhäuser Amtsblatt
Allstedter Nachrichten 5/93



Die nicht immer korrekten Beiträge der Mitteldeutschen Zeitung   ( Quelle: MZ-Archiv )

erschienen am 09.09.1997 in Sangerhausen, Niederröblingen/MZ/sro.

Gleise müssen weichen für die Pedalritter - Abschnitt zwischen Oberröblingen und Allstedt demontiert

„Eisenbahnnebenstrecken verschwinden im Landkreis Sangerhausen unauffällig. Seit vier Wochen werden die 7,42 Kilometer Schienenstrang der Nebenstrecke Oberröblingen - Allstedt demontiert. Es ist der endgültige Schritt eines langen Siechtums. Für die Deutsche Bahn AG ist die Strecke bereits Geschichte, der Bahnhof zu den Akten gelegt. Der Bahnsteig wurde schon vor vielen Jahren von Schafgarbe, Kamille und Rainfarn zurückerobert. Das merken auch die Anlieger. Sie müssen regelmäßig selbst Hand anlegen, um das Unkraut des Bahnhofsgeländes in Grenzen zu halten, damit es nicht auch noch ihre Gärten überwuchert. Ein trauriges Bild bietet das Bahnhofsgebäude. Man kann nur noch ahnen, wo vor über 100 Jahren der Warteraum und der Schalter eingerichtet worden waren. Seit September 1894 rollten Loks und Wagen auf den Schienen. Zunächst nur für den Güterverkehr, aber schon ab dem 1. Oktober 1894 wurde die Strecke auch für den Personenverkehr genutzt. Bereits 1973 war die Strecke Oberröblingen - Allstedt für den Personenverkehr unwirtschaftlich und wurde eingestellt. Harald Wäldchen, der letzte in Niederröblingen stationierte Fahrdienstleiter, nutzte damals die Gelegenheit und kaufte die letzte Fahrkarte für eine Fahrt von Oberröblingen nach Allstedt, für 40 Pfennige. Nur noch für den Güterverkehr behielt der Schienenstrang seine Bedeutung. Die "Erzzüge", mit denen das Kupferschiefer aus dem Niederröblinger Schacht nach Sangerhausen bzw. nach Helbra zur Aufbereitung gebracht wurde, hielten die Strecke am Leben. Nach dem Ende der Kupferschieferförderung in Niederröblingen, kam auch das Aus für sie. Im Frühjahr 1995 wurde bei Straßenbauarbeiten an der B 86 in Oberröblingen das Gleis einfach unterbrochen. Diese Tatsache reichte schließlich aus, um die Strecke im Oktober endgültig stillzulegen. Nach der Demontage der Gleise und Schwellen soll auf dem ehemaligen Bahndamm ein Radweg entstehen. Vielleicht kann man in dem Zusammenhang auch das ehemalige Bahnhofsgebäude wieder herrichten, um es als Unterstand zu nutzen. Das Gebäude und die vier davor stehenden großen Kastanien, wurden schließlich einst als zeittypisches, übrigens sehr reizvolles Ensemble angelegt, das auf diesem Weg erhalten bleiben könnte.”





erschienen am 20.01.1998 in Sangerhausen, PETER LINDNER Sangerhausen/MZ.

Radler bekommen bald eigene Piste - Zwischen Oberröblingen und Niederröblingen wird gebaut

„Noch in diesem Jahr wird zwischen Oberröblingen und Niederröblingen ein Radweg entstehen. Baubeginn soll im Frühjahr sein. Im Auftrag der Deutschen Bahn AG waren im vergangenem Jahr die Schienen zwischen Allstedt und Oberröblingen zurückgebaut worden (die MZ berichtete). Der Zugverkehr war aus Rentabilitätsgründen bereits 1990 eingestellt worden. Nach der Schließung des Koenenschachtes gab es praktisch keinen Berufsverkehr mehr. Auch in Allstedt brachen Arbeitsplätze weg. Mit dem Zug wollte keiner mehr fahren. Zwar geisterten noch im Dezember `97 Meldungen durch die Medien, daß die Bahn die Regionalstrecke wieder bedienen wolle. Zu dieser Zeit hatten die Bagger jedoch schon Realitäten hinterlassen: Wo einmal der Schienenstrang Ortschaften verband, blieb ein verwaistes Schotterbett. Radler träumten von einem Radweg, der auch Wanderer einladen könnte. Einen Zuwachs an Radwegen hatte auch das Sangerhäuser Straßenbauamt im Sinn und setzte alle Hebel in Bewegung, um von der Bahn AG den Grund und Boden des ehemaligen Gleiskörpers zu erwerben. Wie Wilfried Weidling, Chef des Straßenbauamtes, der Mitteldeutschen Zeitung sagte, hat der Kauf geklappt. Derzeit liefen bereits die Ausschreibungen für eine erste Teilstrecke zwischen Oberröblingen und Niederröblingen. Im Frühjahr, so Weidling, könnte mit dem Bau des Radweges begonnen werden. So bekämen die Radler in diesem Jahr noch ihre eigene Piste, die parallel zur Landstraße zwischen Ober- und Niederröblingen für mehr Sicherheit für die Radfahrer und auch Fußgänger sorgen würde. Der Abschnitt von Niederröblingen nach Allstedt soll zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden. Der Anschluß des Radweges in Oberröblingen an den Weg, der neben der B 86 verläuft, bleibt vorläufig noch ein Zukunftsprojekt. Zwar kümmere sich die Gemeinde Oberröblingen ebenfalls um den Kauf des einstigen Gleisgeländes in der Ortslage, jedoch sieht sich Bürgermeister Reinhard Windolph nicht in der Lage, den Bau eines Radweges innerorts zu finanzieren. Die Kassen seien leer und er sehe derzeit andere Projekte, die für die Gemeinde wichtiger sind.”





erschienen am 08.08.1998 in Sangerhausen, PETER LINDNER Oberröblingen/MZ.

Aus Schotterweg wird Radpiste

„Wo einst zwischen Oberröblingen über Niederröblingen und Allstedt die Arbeiterzüge rollten, können bald die Radler in die Pedale treten. Und zwar durchgängig. Aus dem Schotterweg - dem einstigen Bahnkörper - wird eine superglatte Radpiste. Im Frühjahr hatte das Sangerhäuser Straßenbauamt den ehemaligen Bahndamm zwischen Oberröblingen und Niederröblingen bereits zum asphaltierten Radweg umfunktionieren lassen. Mehr als 250 000 Mark hatte das etwa zwei Kilometer lange Teilstück gekostet und wird von den Radfahrern gut angenommen. Nach der grundhaften Sanierung der Ortsdurchfahrt der Landstraße nach Allstedt in Niederröblingen, gestern wurde dort übrigens die Bitumendecke gegossen, soll der Radweg bis nach Allstedt weiter gebaut werden. Damit rechnet zumindest der Chef des Straßenbauamtes, Wilfried Weidling. Die rund drei Kilometer lange Strecke kostet etwa nahezu 300 000 Mark. In den Planungen der sachsen-anhaltischen Landesregierung ist die Bahnlinie zwischen Sangerhausen und Allstedt allerdings noch immer zum Ausbau vorgesehen, „um den regionalen Nahverkehr zu verbessern”. In den Chefetagen der zuständigen Magdeburger Ministerien und Verkehrsbehörden hat man offensichtlich gar nicht mitbekommen, daß die Bahn AG die Eisenbahnstrecke längst zurückgebaut und die Flächen verkauft hat. Wann der letzte Lückenschluß des Radweges in der Ortslage der Gemeinde Oberröblingen fertiggestellt sein wird, ist vorerst noch offen. Laut Bürgermeister Reinhard Windolph ist zur Zeit kein Geld dafür da, um die Flächen von der Bahn AG zu kaufen und die Finanzierung eines Radweges zu finanzieren. Die Gemeinde Oberröblingen müsse sich jetzt um andere wichtige Projekte kümmern.”




Die Radwege sind inzwischen komplett fertig.

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